Liebe Leserinnen und Leser,

welche Momente schenken Ihnen Kraft in Ihrem Leben? Welche Zeiten werden Sie durch dieses Jahr tragen?

gibt Zeiten, die zwar oft einmalig im Leben sind, diesem aber eine ganz neue Richtung geben. Es sind Zeiten, die wir niemals vergessen und die uns Kraft für ein ganzes Leben schenken können. Dazu gehört sicherlich die Geburt eines Kindes, aber auch die Eheschließung. Da drückt es schon das Wort aus: Hoch – zeit. Es ist eine besondere Zeit unseres Lebens, die auch grundlegende Veränderungen mit sich bringt. Es ist eine Zeit, deren Freude uns hoffentlich ein ganzes Leben begleitet und uns Kraft schenkt.

Neben diesen ganz markanten, lebensverändernden Momenten gibt es aber auch in jedem Jahr hoffentlich besondere Glücksmomente für Sie. Bei Kindern können wir das noch deutlich erleben in ihrer Freude über den eigenen Geburtstag. Für ältere Menschen ist es vielleicht der Geburtstag der Kinder und Enkelkinder, der Kraft für die kommende Zeit schenkt.

Wer in all dem alltäglichen keine Kraft tanken kann, der sucht sie möglicherweise in der Flucht aus dem Alltag, in besonderen Zeiten wie einem schönen Urlaub. Es gibt dann die Hoffnung, dass zwei Wochen im Jahr Kraft schenken für die restlichen 350 Tage des Jahres. Da die Hoffnung oft völlig übertrieben ist, bleibt dann nur die Enttäuschung, weil das nicht gelingen kann. Dann bleibt noch die Flucht aus dem Alltag zum Beispiel in übermäßig ausgelebten Hobbies. Doch wenn auch das mehr Kraft kostet als es Freude schenkt, bleibt eine große Leere zurück.

Was kann uns also wirklich im Leben tragen? Was kann uns tragen, wenn unser Leben schwer erschüttert wird?

Das Alte Testament berichtet an vielen Stellen davon, wie das Leben der Israeliten schüttert wurde. Manchmal erzählt es von den Erschütterungen im Leben des einzelnen Menschen, manchmal muss aber auch das ganze Volk schwere Zeiten durchleben. Dass auch die Israeliten nicht nur so ein großes Gottvertrauen hatten, dieses alles einfach von Gott anzunehmen, davon zeugen nicht nur die Klagepsalmen. In Psalm 22 heißt es in Vers 2 und 3: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne. Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe." Und in V 8 und 9: "Alle, die mich sehen, verspotten mich, sperren das Maul auf und schütteln den Kopf: ´Er klage es dem HERRN, der helfe ihm heraus und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.´"

Doch entscheidend ist das Gottvertrauen der Beter, wie es in Psalm 77 in nur einem Vers zum Ausdruck kommt: "Ich rufe zu Gott und schreie um Hilfe, zu Gott rufe ich, und er erhört mich."

Die Vorstellung, dass Gott die Kraftquelle unseres Lebens ist, ist für viele Menschen fremd geworden. Sie meinen ihr Leben selbst in der Hand zu haben und alles selbst bewirken zu können. Auf Gott und sein Wort zu hören ist ihnen fremd geworden. Im Gegenteil meinen sie ein Gott, dessen Leben am Kreuz endet, zeige nur seine Schwäche. Doch es ist gerade ein Zeichen von Gottvertrauen und Stärke, dass Jesus am Kreuz gestorben ist. Er ist für uns gestorben, um uns wieder den Weg zu Gott zu eröffnen. Doch gerade das ist es, was uns im Leben Kraft schenken kann: der Blick zu dem gekreuzigten und auferweckten Christus. In ihm zeigt sich uns Gottes Liebe. In ihm zeigt sich, dass nicht die Menschen und der Tod das letzte Wort behalten haben, sondern dass der, der Anfang und Ende unseres Lebens ist, alles bestimmt. Wenn wir das erkennen, können wie in die Worte des Psalmbeters einstimmen, der in Psalm 27 bekennt: Der Herr ist meines Lebens Kraft.

Ich wünsche Ihnen in der besinnlichen Passionszeit

und der erbaulichen Osterzeit

viele Momente, in denen Ihnen Gott viel Kraft schenkt.

Ihre Pfarrerin Beate Bachmann-Voß